Archivalie des Monats: Plakat „Nordseebad Helgoland“

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In der Reihe "Archivalie des Monats" stellt das Deutsche Schifffahrtsmuseum (DSM) / Leibniz-Institut für Maritime Geschichte monatlich einen besonderen Schatz aus dem Archiv vor. Im Juni wird ein historisches Plakat der Insel Helgoland vorgestellt wird.

Sowohl die Nord- als auch die Ostsee gehören zu den beliebtesten Urlaubsregionen der Deutschen. Hier vereint sich auf besonderer Art und Weise die Trias aus „summer, sand and sea“. Diese Idylle ist in den letzten beiden Jahrhunderten zu dem heute bekannten Sehnsuchtsort geworden. Während das hier vorliegende Plakat durchaus Assoziationen an den vom Meer und Strand geprägten Sommerurlaub erweckt, war dies bis ins 18. Jahrhundert noch unvorstellbar. Als Ort wilder, unbezwingbarer Naturgewalten und zahlreicher Gefahren sollte das schier endlos wirkende Blau gemieden werden.

Dies änderte sich seit den 1750er Jahren vor allem durch neue medizinische Erkenntnisse. Ein zentraler Wegbereiter war dabei der englische Arzt Richard Russell. In einer damals von der Öffentlichkeit vielbeachteten wissenschaftlichen Arbeit dokumentierte er einen positiven Einfluss der äußeren und inneren Anwendung von Meerwasser auf die Leiden seiner Patienten. Die Resonanz auf diese Sensation machte das an der englischen Südküste gelegene Brighton mit seinem Seebad bereits in kurzer Zeit zum Ziel zahlreicher Meereskuren. Gerade also der therapeutische, gesundheitsfördernde Nutzen stand im Fokus der Zeitgenossen. Folglich verschrieben Ärzte ihren Patienten jeweils auf ihre spezifischen Leiden abgestimmte Meereskuren. Die Patienten sollten sich mit ihren unterschiedlichsten Gesundheitsproblemen zur Heilung je nach verschriebener Dosierung regelmäßig für kurze Zeit ins kühle Nass begeben und behandeltes Meerwasser trinken. Die Bandbreite der Erkrankungen reichten dabei von der harmlosen Impotenz bis zu teilweise schwersten Atemwegserkrankungen wie die als „weiße Pest“ bekannte Tuberkulose.

Der Erfolg der ersten Seebäder hinterließ auch im damaligen Deutschland Eindruck. Im Jahr 1793 war es schließlich soweit: Mittels fürstlicher Unterstützung wurde an der Ostsee in Heiligendamm bei Doberan nahe Rostock, das erste Seebad Deutschlands eröffnet. Auf der Insel Helgoland dauerte es bis ins Jahr 1826 ehe eine private Investorengruppe ein eigenes Seebad gründete. Sowohl die Verschiebung vom medizinischen zum freiheitlichen Nutzen als auch zahlreiche technologische wie arbeitspolitische Veränderungen führten im Laufe des 19. Jahrhunderts zu steigenden Besucherzahlen. Anhand der zunehmenden Attraktivität eines Aufenthaltes in einem der deutschen Seebäder zeigt sich auch ein grundsätzlicher Wandel im Verhältnis von Mensch und Meer, der sich bis heute im alljährlichen Touristenstrom an die Nord- und Ostsee widerspiegelt.

 

Literaturverzeichnis

Corbin, Alain, Meereslust. Das Abendland und die Entdeckung der Küste 1750­–1840 (Berlin 1990).

Richter, Dieter, Das Meer. Geschichte der ältesten Landschaft (Berlin 2014).

Wallmann, Eckhard, Helgoland. Eine deutsche Kulturgeschichte (Hamburg 2017).

Wördemann, Wilfried, „…was nie genug empfohlen werden kann“. Zu den Anfängen des Seebädertourismus. In: Etta Bengen/Wilfried Wördemann (Hrsg.), Badeleben. Zur Geschichte der Seebäder in Friesland. Kataloge und Schriften des Schlossmuseums 6 (Oldenburg 1992) 13­37.

Ders., „Zur Beförderung geselligen Vereines…“. Seebäder im Biedermeier. In: Ebd., 38­84.

 

Seefahrtsbuch

Historisches Poster von Helgoland.
Foto: DSM

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