Erster Schritt für die 3D-Dokumentation der Bremer Weserlastkähne

Besondere Reise für die Bremer Weserlastkähne: Damit die historischen Kähne aus dem 17. Jahrhundert zeitgemäß in 3D dokumentiert werden können, wechselten sie nach 19 Jahren den Standort vom Depot des Deutschen Schifffahrtsmuseums (DSM) / Leibniz-Institut für Maritime Geschichte nach Vechta.

Es war präzise Handarbeit für die Forschenden des DSM, die im Juli über mehrere Tage die mehr als dreihundert Jahre alten Weserlastkähne Stück für Stück für den Transport vorbereiteten. Mehr als 400 Holzkomponenten wurden markiert, fotografiert, fachgerecht verpackt und zur Fachfirma Denkmal3D nach Vechta transportiert. Damit sind die ersten Schritte des Projekts planmäßig abgeschlossen.

Unter der wissenschaftlichen Aufsicht von Dr. Mike Belasus vom Niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung (NIhK) wurden die Holzkomponenten der Kähne im ersten Schritt mit einer reversiblen Kennzeichnung versehen und systematisch inventarisiert. Danach erfolgte eine umfassende fotografische Dokumentation. Diese Arbeiten bilden die Grundlage für die nun folgende digitale 3D-Vermessung und die wissenschaftliche Auswertung.

Unmittelbar nach ihrer Ankunft in Vechta wurden die Hölzer in der Depothalle in vorbereitete Frischwasserbecken gelegt. Damit war eine fachgerechte Zwischenlagerung unter konservatorisch geeigneten Bedingungen bis zur weiteren Bearbeitung gewährleistet. Inzwischen ist das Dokumentationslabor in Vechta eingerichtet und die Arbeiten an den Schiffsteilen haben begonnen. Vor dem Scannen mit einem Streifenlichtscanner werden die Hölzer sorgfältig gereinigt, um alle Details in der Aufnahme sichtbar zu machen. Gleichzeitig werden Proben, etwa von Abdichtungsmaterialien, Resten möglicher Anstriche und anderen Materialien, genommen, die sich in der Konstruktion der Schiffe erhalten haben und z.B. Aufschluss über die Bau- und Wirtschaftsweisen der Schiffbauer an der Weser ermöglichen können. Die Beprobung von Ablagerungen zwischen den Schiffskomponenten eröffnet zudem das Potential für Aussagen über mögliche Ladungen der Schiffe. Proben der Bauhölzer können zudem über das individuelle Muster der Jahrringe Informationen über das genaue Alter der Schiffe, ihre Nutzungsdauer und die Herkunft der genutzten Bäume preisgeben.

Dr. Belasus wird bis zum Jahresende die detaillierte Erfassung und wissenschaftliche Dokumentation der Holzkomponenten durchführen. Die von ihm erhobenen Daten bilden die Grundlage für eine detaillierte interdisziplinäre Auswertung und Erforschung der Weserschiffe gemäß den aktuellen internationalen Standards der Schifffahrtsarchäologie. Dabei spielen die digitale und die naturwissenschaftliche Auswertung der Schiffsfunde eine zentrale Rolle. Die hochauflösende 3D-Vermessung und Untersuchung der Bremer Weserlastkähne leisten somit einen wichtigen Beitrag zur Erforschung und zur langfristigen Sicherung dieses bedeutenden maritimen Kulturgutes. Die Ergebnisse der aktuellen Untersuchungen der beiden Lastkähne aus der Weser, die nur eine kurze Strecke flussaufwärts vom Fundort der „Bremer-Kogge“ entdeckt wurden, werden im Anschluss an die Arbeiten der Öffentlichkeit präsentiert.

Das DSM kooperiert im Rahmen des Projekts mit renommierten nationalen und internationalen Partnern, wie dem Niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung, dem Fachbüro für Archäologie und Vermessung Denkmal3D, der School of Mechanical and Materials Engineering am University College Dublin und mit der Landesarchäologie Bremen.

Das Dokumentationsprojekt wird durch Mittel der Kulturstiftung der Länder sowie der Karin und Uwe Hollweg Stiftung ermöglicht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kontakt Presse

Dr. Jessica Adolf

presse@dsm.museum

Holzkompontente eines Weserlastkahns.

Credit: DSM / Annica Müllenberg

 

Dr. Mike Belasus (Mitte) und Dr. Ferderic Theis (rechts) sichten die Holzkompontenten.

Credit: DSM / Annica Müllenberg

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