1,3 Millionen Euro für internationales Forschungsprojekt

Das Deutsche Schifffahrtsmuseum (DSM) / Leibniz-Institut für Maritime Geschichte erhält eine Förderung von rund 1,3 Millionen Euro aus der Förderinitiative „Transformationswissen über Demokratien im Wandel“ der VolkswagenStiftung. Das Kuratorium der Stiftung bewilligte das Projekt „Functioning Citizenship at the Water's Edge: Everyday Democracy in Global Port Cities“ unter der Leitung von Prof. Dr. Ruth Schilling.

Wie wird Demokratie in Hafenstädten weltweit gelebt, ausgehandelt und verändert? Dieser Frage geht ab August für fünf Jahre ein neues Forschungsprojekt am DSM nach, an dem auch internationale Partner beteiligt sind. Neben dem DSM sind der ITF Seafarers' Trust (Vereinigtes Königreich) sowie weitere internationale Kooperationspartner beteiligt.

„Hafenstädte sind seit jeher Orte des Austauschs, der Migration und des gesellschaftlichen Wandels. Sie machen besonders sichtbar, wie Demokratie im Alltag entsteht, herausgefordert wird und sich weiterentwickelt“, sagt Projektleiterin Prof. Dr. Ruth Schilling, Direktorin am DSM. „Mit unserem Projekt möchten wir besser verstehen, wie Menschen unabhängig von ihrem formalen staatsbürgerlichen Status demokratische Teilhabe tatsächlich leben und gestalten.“ Schilling freut sich sehr über die Zusage, denn das Projekt ergänzt bestehende Forschungen zum Thema Arbeitsmigration auf Werften und postkolonialen Meeresstudien. Zudem greift es gegenwärtige Fragestellungen interdisziplinär auf, in denen Hafenstädte nicht nur als wirtschaftliche Drehscheiben betrachtet werden, sondern als Orte, an denen sich Demokratie, Vielfalt und gesellschaftlicher Zusammenhalt täglich neu gestalten.

Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Demokratie weit über Wahlen und staatliche Institutionen hinaus im täglichen Zusammenleben entsteht – auf öffentlichen Plätzen, in Kulturinstitutionen, Vereinen, Gewerkschaften oder Nachbarschaften. Das Projekt greift dafür das Konzept der „Functioning Citizenship“ auf: Im Mittelpunkt steht nicht allein die rechtliche Staatsbürgerschaft, sondern die tatsächliche Möglichkeit, Rechte wahrzunehmen, gesellschaftlich mitzuwirken und Zugehörigkeit zu erfahren.

Verglichen werden vier Hafenstädte mit unterschiedlichen historischen und politischen Prägungen: Bremerhaven, Lüderitz (Namibia), Valparaíso (Chile) und Singapur. Trotz ihrer unterschiedlichen Kontexte verbindet sie ihre Rolle als maritime Knotenpunkte, in denen Fragen von Migration, wirtschaftlichem Strukturwandel, kolonialem Erbe, sozialer Teilhabe und demokratischer Legitimation besonders deutlich zutage treten.

Das Forschungsteam verbindet historische Forschung, ethnografische Feldarbeit, partizipative künstlerische Methoden und vergleichende Politikanalysen. Archive werden ebenso einbezogen wie Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern, Workshops mit lokalen Gemeinschaften sowie Analysen aktueller politischer Entwicklungen. Ziel ist es, demokratische Teilhabe nicht nur wissenschaftlich zu beschreiben, sondern daraus konkrete Handlungsempfehlungen für Politik, Bildung und Zivilgesellschaft abzuleiten.

Die Ergebnisse sollen unter anderem Museen bei der partizipativen Entwicklung von Ausstellungen unterstützen, Schulen Anregungen für Demokratiebildung bieten sowie Kommunen, Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen Impulse für inklusive Beteiligungsformate liefern.

Mit der Förderinitiative „Transformationswissen über Demokratien im Wandel“ unterstützt die VolkswagenStiftung Forschungsverbünde, die gemeinsam mit Partnern aus der Zivilgesellschaft aktuelle Herausforderungen demokratischer Transformationsprozesse untersuchen. Ziel sind evidenzbasierte Erkenntnisse, die in konkrete gesellschaftliche Handlungsempfehlungen münden.
Für das Deutsche Schifffahrtsmuseum unterstreicht die Förderung die Bedeutung maritimer Geschichte für das Verständnis gegenwärtiger gesellschaftlicher Entwicklungen. Hafenstädte werden dabei nicht nur als wirtschaftliche Drehscheiben betrachtet, sondern als Orte, an denen sich Demokratie, Vielfalt und gesellschaftlicher Zusammenhalt täglich neu gestalten.
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die ELBE 3 im Museumshafen.

Credit: DSM / Annica Müllenberg

 

Kontakt Presse

Dr. Jessica Adolf

presse@dsm.museum

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