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Der Ozean als Versenkungsgebiet: Aus den Augen, aus dem Sinn

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Der Ozean als Versenkungsgebiet: Aus den Augen, aus dem Sinn

Lange galten die Ozeane als eine riesige Senke. Das Meer schien unendlich groß, weit und tief, um alles ohne Probleme aufzunehmen. So wurde früher der Abfall auf Schiffen einfach in das „blaue Regal“ gestellt. Das heißt, er wurde ins Meer gekippt.

Noch 1968 ließen die Vereinten Nationen verlauten, dass die Meere eine große Kapazität als potenzielle Abfalllagerstätte hätten. Neben Kriegsaltlasten (siehe anderer Text in dieser Station zur weltweiten Situation) betrifft dies Nitrate und Phosphate aus der Landwirtschaft, Chemikalien, Arzneimittel, Schwermetalle, radioaktive Abfälle und Öl – oder Dünnsäure.

Dieser Abfallstoff der industriellen Produktion wurde früher ins Meer geleitet oder mit Schiffen verklappt. Greenpeace und andere Umweltaktivist*innen starteten in den 1980er-Jahren medial wirksame Proteste gegen die Verklappung von Dünnsäure. Die Sensibilisierung der Öffentlichkeit führte 1990 schließlich zu einem Stopp der Dünnsäureverklappung in Deutschland und 1993 in Großbritannien.

Auch langlebige organische Schadstoffe [persistent organic pollutants], die jahrelang entweder im Meer verklappt wurden oder vom Land ins Meer gelangten, sind immer noch in den Ozeanen zu finden. Durch die Stockholm-Konvention von 2004 wurden zwölf dieser Stoffe – als „Dreckiges Dutzend“ bezeichnet – verboten.

Zu diesen Schadstoffen zählen beispielsweise Polychlorierte Biphenyle (PCB), Chlorverbindungen, die früher häufig in elektrischen Anlagen benutzt wurden oder das Insektizid Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT). Doch trotz der Verbote und Einschränkungen sind diese giftigen Chemikalien immer noch im Meer zu finden, in einigen Regionen mit besorgniserregenden Konzentrationen in marinen Organismen.

Ein weiteres großes Problem ist der weltweite Eintrag von Plastik in die Meere, der allein für das Jahr 2010 auf 4,8 bis 12,7 Millionen Tonnen geschätzt wird. Davon wird der kleinere Teil über Seewege (20 %) eingetragen, der weitaus größere Teil (80 %) gelangt über das Land ins Meer, sowohl aus küstennahen Gebieten als auch über Flüsse und Wind aus küstenferneren Regionen.

Kunststoffe lösen sich im Meer nicht vollständig auf, sondern fragmentieren zu kleinen Partikeln unter fünf Millimeter, die als Mikroplastik bezeichnet werden. Diese kleinen Partikel lassen sich nicht mehr aus dem Meer herausholen. Sie werden mittlerweile in vom Festland weit abgelegenen Gegenden wie der Arktis oder in Ozeanien nachgewiesen, aber auch in großen Tiefen am Meeresboden.

Mikroplastik im Meer ist ein eigener Forschungsbereich geworden. Dennoch lassen sich die Effekte auf Ökosystem und Biodiversität noch nicht genau bestimmen. Auch wenn viele Kunststoffe selbst nicht giftig sind, reichern sich auf ihnen Schadstoffe wie DDT und PCD an. Ebenso wie einige gefährliche Bakterien, die dann so in die marine Nahrungskette gelangen können.

Wie im Falle von Mikroplastik ist es schwierig aus unserer Forschung über die Gefährdung durch korrodierende Munition und austretendes TNT Aussagen über langfristige Umweltschäden zu treffen. Doch jede diese Untersuchungen ist wichtig, denn durch ein besseres Verständnis der Meeresverschmutzung tragen wir auch zum Schutz der Meeresumwelt bei.

Den Ozean als ein Versenkungsgebiet für die Entsorgung von verschiedensten Abfällen und Schadstoffen zu nutzen, war jedenfalls keine gute Idee. Jede Senke kann auch überlaufen und dann verteilen sich Schadstoffe wie TNT oder DDT unkontrolliert in der Umwelt und gelangen in Nahrungsketten.

Weil dies im Vergleich zu sich schnell entwickelnden Katastrophen eher schleichend geschieht, lassen sich diese Phänomene auch als „langsame Desaster“ [slow disaster] bezeichnen – mit häufig noch unvorhersehbaren Folgen für die Umwelt und den Mensch.

Deshalb kann das Experiment der Entsorgung, der Lagerung und des Eintrags von gefährlichen Dingen und Substanzen in den Ozean nur als gescheitert verstanden werden. Die dadurch in Kauf genommene Verschmutzung des Meeres ist ein großes Problem, dass sich auch in der Zukunft weiter entwickeln wird, sofern nicht jetzt etwas unternommen wird.

 

Weiterführende Literatur

 

Bergmann, Sven. 2021. Dawn of the Plastisphere: An Experiment with Unpredictable Effects, In: Farrelly, Trisia, Sy Taffel, Ian Shaw, ed. Plastic Legacies: Pollution, Persistence, Politics. Edmonton, CA: Au Press, doi.org/10.15215/aupress/9781771993272.01 (open access).

 

Jambeck, Jenna R, Roland Geyer, Chris Wilcox, Theodore R Siegler, Miriam Perryman, Anthony Andrady, Ramani Narayan, und Kara Lavender Law. 2015. „Plastic waste inputs from land into the ocean“. Science 347 (6223): 768–71, https://doi.org/10.1126/science.1260352.

 

Mendelson, Ben. 2020. „Kranke Fische“. Der Freitag 42, https://www.freitag.de/autoren/benmen/1980-kranke-fische (open access).

 

Nash, Roisin, Malcolm Deegan, Elena Pagter, und João Frias. 2021. Microplastics in the marine environment: Sources, Impacts & Recommendations, https://research.thea.ie/handle/20.500.12065/3593 (open access).

 

WBUG (German Advisory Council on Global Change). 2013. World in Transition: Governing the Marine Heritage, https://www.wbgu.de/en/publications/publication/world-in-transition-governing-the-marine-heritage (open access).

 

 

Plastikmüll, der im Rahmen der „Fishing for Litter“-Kampagne aus der Nordsee geborgen wurde. Foto aufgenommen während des Litter-Monitorings im Juni 2019.

© Sven Bergmann, Deutsches Schifffahrtsmuseum

Makro- und Mikroplastik, gesiebt aus einem Transekt von einem Quadratmeter aus dem Sand am Strand in Famara (Lanzarote), Dezember 2018.

© Sven Bergmann, Deutsches Schifffahrtsmuseum

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