Siegfried und Roy-Fans gesucht

Ein Gepard schaut dem Kapitän über die Schulter, sitzt auf dem Dinnertisch und läuft scheinbar selbstverständlich an Deck auf und ab – wo gab es denn so etwas? Auf der MS BERLIN während der Weihnachts-/Silvesterreise 1965-66. Chico und seine nicht minder bekannten Halter Siegfried und Roy stiegen in Bremerhaven an Bord und begeisterten die ersten Kreuzfahrtreisenden. Eine sehr norddeutsche Geschichte, die auf dem Meer Fahrt aufnahm und bis nach Las Vegas ins Showbusiness führte. Im Deutschen Schifffahrtsmuseum (DSM) / Leibniz-Institut für Maritime Geschichte erzählte Dr. Lucas Haasis, wie das Magierduo samt Gepard einst seine ersten Shows wagte und präsentierte neu entdeckte Fotos dieser Reisen. Die Geschichte löste bei einigen Menschen Erinnerungswellen aus – und soll jetzt weitergehen. Die Karriere des magischen Duos mag Geschichte sein, für Haasis ist sie der Start einer Erinnerungswerft.

Ihre Kabinen lagen sich gegenüber: Siegfried, der Steward, und Roy, seinerzeit Uwe aus Nordenham, der Page. Bei ihrer ersten Begegnung fragte Siegfried seinen Nachbarn, ob dieser ihm nicht bei seiner kleinen Zaubershow assistieren könne. Kartentricks und verschwundene Kaninchen, die das Publikum an Bord beklatschte, ließen Roy allerdings kalt. „Kaninchen kannst du verschwinden lassen, aber schaffst du das auch mit einem Gepard?“

Eine dieser Fragen blieb Dr. Lucas Haasis, Senior Fellow und Gerda-Henkel-Forschungsstipendiat am DSM, im Gedächtnis, nachdem er Bücher gewälzt, Quellen gesichtet und mit Zeitzeugen von Bord gesprochen hatte. Der Gepard Chico war damals der große Star an Bord. Als ebenfalls norddeutsches Geschöpf – Roy holte ihn aus dem Zoo in Bremen, schmuggelte ihn in einer Tasche an Bord der MS BERLIN und ließ ihn erst mitten auf dem Atlantik buchstäblich aus dem Sack. Ein Umkehren war nicht mehr möglich: Der Gepard war da – und blieb.

Haasis zeigte zahlreiche Fotos, die Chico auf der Brücke, während der Show und auf dem Dinnertisch zeigen. Eines davon, auf dem sich Chico zwischen Siegfried und dem Ersten Offizier, Albert Weißkopf, auf dem Tisch räkelte, hat ihn besonders beeindruckt. Exotisch – und ein Moment, der nicht nur in die Fotogeschichte einging.

Die Fotos stammen aus einem Fotoalbum der Familie von Catharina Scarlatescu aus Rastede, Enkelin dieses Ersten Offiziers, die ebenfalls einen prägenden Satz aus ihrer Kindheit mitnahm: „Dein Opa fuhr Siegfried und Roy über den Atlantik.“ Scarlatescu hütet die Alben wie einen Schatz. „Ich fand es immer schade, dass nur ich diese weltbekannten Stars auf unseren Fotos sehen konnte, und hab ein Publikum gesucht. Schon allein das Schiff, die MS BERLIN, war ausgestattet wie eine Mini-TITANIC und vielen bekannt. Auf den Bildern kann man die Details der Ausstattung gut erkennen.“

Haasis, der am DSM im Rahmen seines Gerda-Henkel-Stipendiums eigentlich zu Briefen forscht, die 1803 von Bord eines Schiffs auf dem Weg nach Australien verfasst wurden, erkannte sofort das Potenzial der Bildwerke. Für die Ausstellung „Tiere an Bord“, verließ der Frühneuzeithistoriker daher für einen kurzen Moment sein gewohntes Terrain und schrieb zu Chico und seinen Haltern kurzerhand eine digital Story. Dazu fand er sogar noch Zeitzeugen von Bord und lud nun jüngst zu einem Abend ins DSM ein, um die Geschichte und Fotos zu präsentieren.

„In den Fotos steckt sehr viel drin, was für uns als Museum interessant ist: Es ist die Geschichte der anfänglichen Kreuzfahrtindustrie, die eine lokale Anbindung hat. Wir können Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zu Wort kommen lassen, die Roy kannten, der aus Nordenham stammte, und wir arbeiten gemeinsam ein Stück maritimes Erbe auf, das sogar ein bisschen Showbusiness-Glamour hat“, so Haasis.

Am Vortragsabend durfte die Öffentlichkeit erstmals durch das Album von Catharina Scarlatescu blättern. Für einige im Publikum war es eine Zeitreise, die nach so langer Zeit überraschende Nähe erzeugte. Ein Fan von Siegfried und Roy, dessen Vater als Proviantverantwortlicher auf der MS BERLIN fuhr, erkannte im Album den Koch, von dem sein Vater immer erzählt hatte. Er selbst brachte ein Foto mit, für das ihn die Magier in ihre Mitte nahmen. „Das bin ich“, sagt er stolz.

Ein Abend voller Erinnerungen, der aber noch eine Fortsetzung haben soll: Haasis freut sich nun über weitere Hinweise von Personen, die, wie die Besuchenden vor Ort, noch Fotos, Erinnerungsstücke und Geschichten zu Siegfried und Roy von der Reise haben und diese gerne teilen möchten.

Sie können sich gern mit dem Betreff „Siegfried und Roy“ per E-Mail bei ihm melden: L.Haasis@dsm.museum

Die gesamte digitale Story zum Fund der Fotos können Sie hier nachlesen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kontakt Presse

Dr. Jessica Adolf

presse@dsm.museum

Dr. Lucas Haasis, Catharina Scarlatescu und Björn Christian Menke (v.l.n.r.)

Credit: DSM / Annica Müllenberg

 

Publikum zur Veranstaltung.

Credit: DSM / Annica Müllenberg

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