Materialforschung trifft Historie: NaSchiff-Workshop
Wie lassen sich Korrosionsschäden an historischen Stahlschiffen mithilfe thermografischer Verfahren erkennen? Mit dieser Frage beschäftigte sich das Forschungsprojekt "NaSchiff" am Deutschen Schifffahrtsmuseum (DSM) / Leibniz-Institut für Maritime Geschichte seit Oktober 2025. Nach den ersten Messungen fand am 29. Juni 2026 ein Workshop des DBU-geförderten Projekts statt, an dem Expertinnen und Experten aus Werkstoffprüfung, Denkmalpflege und Museumspraxis teilnahmen. Sie diskutierten die aktuellen Forschungsergebnisse und Anwendungsmöglichkeiten.
Zu Beginn stellte Projektleiter Dr. Nils Theinert Motivation, Ziele und aktuellen Stand des Projekts vor. Historische Museumsschiffe stellen ihre Betreiberinnen und Betreiber vor große Herausforderungen: Korrosionsschäden werden häufig erst bei Werftaufenthalten sichtbar, wodurch Erhaltungszustand, Sanierungsbedarf und die damit verbundenen Kosten schwer einzuschätzen sind. Unvorhergesehene Schäden können zu erheblichen Kostensteigerungen und dem Verlust historischer Originalsubstanz führen. Ziel des gemeinsam mit dem Leibniz-Institut für Werkstofforientierte Technologien (IWT) entwickelten Projekts NaSchiff ist es daher, thermografische Verfahren zur großflächigen Untersuchung historischer Schiffsrümpfe nutzbar zu machen. Dadurch können Schäden zuverlässiger erkannt und Sanierungsmaßnahmen besser geplant werden.
Dr. Andree Irretier vom IWT präsentierte anschließend erste Messergebnisse aus Laborversuchen und Untersuchungen am historischen Walfänger RAU IX, dem Demonstrationsobjekt des Projekts. Die Teilnehmenden diskutierten Möglichkeiten zur Weiterentwicklung des Messverfahrens und betonten, dass thermografische Verfahren etablierte zerstörungsfreie Prüfmethoden wie die Ultraschallprüfung ergänzen können.
Fachbeiträge des Bundesamts für Materialforschung und -prüfung (BAM), des Bremer Instituts für Messtechnik, Automatisierung und Qualitätswissenschaft (BIMAQ), der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW) sowie des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege ergänzten das Programm. Der Workshop zeigte den hohen Stellenwert des interdisziplinären Austauschs zwischen Forschung, Denkmalpflege und Museumsarbeit. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in die nächsten Arbeitsschritte des Projekts NaSchiff ein.“
Präsente Teilnehmende waren:
Dr. Amandine Colson (DSM)
Martina Glossat (Restauratorin, Historisches Museum Bremerhaven)
Anja Hänisch (Restauratorin, Historisches Museum Bremerhaven)
Philipp Daniel Hirsch (Fachbereich Thermographische Verfahren, Bundesamt für Materialforschung, Berlin (BAM))
Dr.-Ing. Axel von Freyberg (Gruppenleiter, Bremer Institut für Messtechnik (BIMAQ))
Dr.-Ing. Andree Irretier (Technischer Leiter DBU-Projekt, IWT Bremen)
Jessica Langer (Museumshafen, DSM)
Maja Ossig (Abteilungsleiterin Restaurierung, Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege)
Prof. Dr. Ruth Schilling (Direktorin DSM)
Dr. Nils Theinert (DSM, Projektleiter NaSchiff)
Dr. Frederic Theis (DSM)
Hybrid nahmen teil:
Prof. Dr. Paul Bellendorf (Professur Restaurierungswissenschaft, Universität Bamberg)
Prof. Dr. Andrea Funck (Professur für Konservierung und Restaurierung, ABK Stuttgart)
Prof. Dr. Christian Große (Professur Zerstörungsfreie Prüfung, TU München)
Corinna Krömer (Restauratorin, Restaurierungszentrum Kiel)
Prof. Dr. Lutz Strobach (Professur Konservierung und Restaurierung/Historische Metalle, HTW Berlin)

Die Teilnehmenden des NaSchiff-Workshops im Juni.
Credit: DSM / Annica Müllenberg

Aufbau der Scan-Technik an Bord der RAU IX.
Credit: DSM / Jessica Langer

Blick auf die Bordwand der RAU IX, die gescannt wird.
Credit: DSM / Jessica Langer

Scan der Bordwand.
Credit: DSM / Nils Theinert

