Das Gesicht der Seefahrt

Zum Tag der Seefahrenden am 25. Juni 2026 erinnert das Deutsche Schifffahrtsmuseum (DSM) / Leibniz-Institut für Maritime Geschichte daran, dass Seeleute den globalen Handel vorantreiben und dafür monatelang bei Wind und Wetter auf den Ozeanen unterwegs sind – auch durch Krisengebiete. Die Seemannsmission in Bremerhaven schenkt den Crews an 365 Tagen im Jahr ein Stück Heimat im Hafen.

Gesang schallt aus der Karaoke-Kabine, Billardkugeln knallen aneinander und auf dem Sportplatz fliegt der Basketball durchs Netz. Lachen verdrängt das Piepen der Verladekräne, das vom Hafen herüberweht. Im Seamen’s Club Welcome finden Seeleute das ganze Jahr über für wenige Stunden ein Zuhause an Land. Oft sind sie monatelang auf den Ozeanen unterwegs und sorgen dafür, dass unsere Geschäfte und Supermärkte mit Waren gefüllt sind, wir Autos, Bananen und Kleidung kaufen können. Der Internationale Tag der Seefahrenden soll daran erinnern, dass Menschen wie Jasmine, Shan und ihre Kolleginnen und Kollegen sich täglich Gefahren aussetzen, damit wir Waren aus aller Welt selbstverständlich zur Verfügung haben. Denn 90 Prozent aller Waren werden über das Meer transportiert.

Die beiden 21-jährigen Philippininnen sind seit acht Monaten auf einem Car-Carrier unterwegs und freuen sich, im Seamen’s Club für ein paar Stunden festen Boden unter den Füßen zu haben. Dort genießen sie die Annehmlichkeiten und Ablenkungen, die der Seemannsclub bietet.

Uwe Baumhauer, Seemannspastor im Club, weiß, wie wichtig den Besatzungsmitgliedern der Internationale Tag der Seefahrenden ist. „Vor allem denke ich in diesen Tagen an die Situation der Seeleute in der Straße von Hormus und im Persischen Golf. 20.000 von ihnen sitzen dort fest. Teilweise werden die Besatzungen von den Reedereien im Stich gelassen und müssen um ihre Sicherheit, ihre Versorgung und ihre Heuer fürchten.“ Baumhauer und seine Kolleginnen und Kollegen laden am 25. Juni zu einem kleinen Fest ein, zu dem auch die philippinische Botschafterin eingeladen ist. Viele Seeleute stammen von den Philippinen. Während die Schiffe stetig größer werden, schrumpft die Zahl der Besatzungsmitglieder. Die Kadettinnen Shan und Jasmine gehören zu einem Team von 23 Personen an Bord, drei davon sind Frauen.

Umso wichtiger ist es Baumhauer, dass die Seeleute im Seamen’s Club Welcome eine gute Zeit verbringen. An 365 Tagen im Jahr kümmert sich die Seemannsmission Bremerhaven um die Belange und Wünsche der Besatzungen. Ende vergangenen Jahres war der Club voller als sonst, weil die Besatzung der DISNEY ADVENTURE länger zu Gast war. Ein Herzenswunsch der Crew war ein Gottesdienst an Bord. „Den haben wir am 1. Januar gefeiert. Die Besatzung hat sich so gefreut, dass ich bei einer späteren Einladung von Goofy, meinem Kindheitshelden, an Bord begrüßt wurde“, erinnert sich Baumhauer schmunzelnd.

Auch im DSM können Gäste der Seefahrt ins Gesicht schauen und mehr über die Menschen an Bord erfahren. Im Eingangsbereich hängen Porträts von Seeleuten, die die Seemannsmission dem DSM zur Verfügung gestellt hat. Die Sonderausstellung „Still Stehen – Seeleute und Geflüchtete in der Pandemie“ informiert darüber, wie Menschen diese Zeit an Bord erlebt haben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Seemannspastor Uwe Baumhauer.

Credit: DSM / Annica Müllenberg

Jasmine, 21 Jahre und Kadettin auf einem Car-Carrier.

Credit: DSM / Annica Müllenberg

Shan, 21 Jahre, Kadettin auf einem Car-Carrier.

Credit: DSM / Annica Müllenberg

Die Crew eines Car-Carriers im Seamen’s Club Welcome.

Foto: DSM / Anica Müllenberg

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