Zukunft Scharoun-Bau: Die DSM-Direktorin erinnert sich und schaut voraus

Wie wird der Scharoun-Bau nach der Sanierung aussehen? Wie verzahnen sich alle Ausstellungen miteinander? Wir schauen regelmäßig durch das Baustellenbullauge und geben den Visionen eine Form. 

Im Interview erinnert sich die DSM-Direktorin Prof. Dr. Ruth Schilling an den Moment der Finanzierungszusage und blickt in die zukünftigen Räume. 


Frau Prof. Dr. Schilling, lassen Sie uns gedanklich noch einmal zurückwandern in den alten Scharoun-Bau. Hatten Sie dort einen Lieblingsort?

Mein eindeutiger Lieblingsort befindet sich im zweiten OG an der Reling, wo sich früher das U-Boot stand. Dort kann man die organische Architektur am besten wahrnehmen und bekommt ein Gefühl für die Innen- und Außenperspektive. Man sieht nicht nur die MEISSEN, sondern auch die gewellte Decke. Mich bringt diese Perspektive immer zum Nachdenken darüber, welche Träume, Visionen, aber auch Enttäuschungen und Ängste mit der Fahrt auf See verbunden sind.

Es war die Nachricht des Jahres 2025 für das DSM: Erinnern Sie sich noch, wie und wann die Nachricht für die Förderzusage kam?

Sie kam schrittweise, insofern war es kein Schlüsselerlebnis, sondern ein sehr positiver, mehrstufiger Prozess.

Es handelt sich um einen komplexen Antrag, welche Schritte waren nötig?

Es war vor allem notwendig, dass sich Land, Bund aber auch die Stadt als Stifter des Hauses darüber einig waren, dass sie dies gemeinsam auf den Weg bringen wollten. Ein starkes Signal in die Zukunft, das alle Hürden einer Antragstellung vergessen lässt.

Was bedeutet die Förderung konkret in Summe und Umsetzung?

Die komplette Sanierung des Scharoun-Baus kostet 27,6 Millionen Euro. Die Neugestaltung der Ausstellung schlägt mit 12,9 Millionen und der Eingangsbereich mit 2,6 Millionen zu Buche. Zudem gibt es einen Puffer für indexbedingte Baukostensteigerungen und Ausführungsrisiken in Höhe von 20,6 Millionen Euro.

Förderungen sind zeitaufwendig, wann geht es konkret weiter und womit?

In diesem Jahr starten die intensiven Planungen, im nächsten Jahr folgen die Ausschreibungen für alle Gewerke. Die konkreten Baumaßnahmen beginnen 2028 und ziehen sich ein Jahr hin. Ebenfalls im Jahr 2028 werden wir die Ausschreibung für die Ausstellung anstreben. Aufgebaut und installiert wird sie dann ab 2029 bis 2032.

Sehen Sie schon den sanierten Scharoun-Bau vor sich? Was genau sehen Sie?

Große und kleine Schiffe, die aus vielen verschiedenen Gesichtspunkten und auf ganz unterschiedliche Weise vermittelt werden (partizipativ, immersiv, inklusiv). Ein Gebäude, das die Wichtigkeit der Meere auf menschliche Weise feiert, im Mittelpunkt eine große Zone zum Mitmachen, Mitdenken, Mitreden. Im Erdgeschoss sehe ich eine emotional bewegende Schau zu unserer maritimen Identität und in den lichtdurchfluteten Obergeschossen interaktive Angebote zum Forschen und Ausprobieren, die immer wieder geändert werden können und so auch in Zukunft mit wenig Aufwand ein immer wieder neues DSM zulassen.

Wie fügt sich die neue Ausstellung in die bestehenden Dauerausstellungen in der Kogge-Halle und im Bangert-Bau ein?

Zwischen Kogge-Halle und Scharoun-Bau gibt es inhaltliche Verknüpfungen: Vom Handelstransport im Spätmittelalter geht es zu Techniken der Orientierung auf See in der Frühen Neuzeit. Der Bangert-Bau konzentriert sich auf das Schiff als Instrument der Moderne in Wirtschaft und Forschung, während der Scharoun-Bau den Fokus auf die politischen, ökonomischen und kulturellen Facetten von Schifffahrt als Kommunikationsmittel (auch im negativen zum Beispiel militärischen) Sinne lenkt. Beide Erzählungen werden durch das Wissen um Schiffsnutzung miteinander verbunden, entsprechend der Architektur und den Sichtachsen nach außen im Obergeschoss mit dem Blick auf die Wesermündung, den Himmel und die Sterne das Thema der Navigation und Raumerschließung aufnehmend. Im Untergeschoss, wo es dunkel ist, wird das Thema der Schiffsführung, Schiffssicherheit, aber auch der Havarien als Schlüsselmomente für die Gestaltung des Verhältnisses von Mensch und Meer erzählt.

Wie stellen Sie sich Ihren ersten Besuch in der neuen Ausstellung vor?

Mit vielen anderen, sehr unterschiedlichen Besuchenden, die durch die Räume schlendern, staunen, sich austauschen und hoffentlich auch viel Freude an einem eindrücklichen Besuchserlebnis haben.

 

 

Prof. Dr. Ruth Schilling ist Direktorin des DSM:

Bild: DSM / Helena Grebe

Booklet zur Zukunft des Scharoun-Baus

Der Scharoun-Bau wird derzeit saniert und ist nur von außen zu sehen. (Foto: Karolin Leitermann)

Zu den kuratorischen und architektonischen Visionen für den Scharoun-Bau ist ein Booklet erschienen.

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