Ein rundes Gesamtkonzept: Die zukünftige Ausstellung im Scharoun-Bau

Wie wird der Scharoun-Bau nach der Sanierung aussehen? Wie verzahnen sich alle Ausstellungen miteinander? Wir schauen regelmäßig durch das Baustellenbullauge und geben den Visionen eine Form. 

Im Interview erzählt die langjährige DSM-Kuratorin Dr. Marleen von Bargen, wie sich die zukünftige Ausstellung im Scharoun-Bau in das Gesamtkonzept des DSM einfügen wird.

Frau von Bargen, welchen Ausstellungsbereich mochten Sie besonders im alten Scharoun-Bau?

Dr. Marleen von Bargen: Ich kann mich noch gut an die alte Ausstellung erinnern. Einer meiner Lieblingsplätze war immer der Raddampfer MEISSEN mit dem angrenzenden Thema der Passagierschifffahrt. Das Mittelteil des originalen Raddampfers ist in das Gebäude eingebaut und wird daher auch zukünftig unsere Gäste begrüßen. Die MEISSEN-Halle ist ein lichter, großer Raum, der die Blicke auf sich lenkt. Von der MEISSEN-Halle aus sind die oberen Ebenen des Gebäudes gut zu erkennen, die dazu einladen, auch den Rest der Ausstellung zu erkunden.

Generell haben mich auch alle weiteren Großobjekte im gesamten Museumsgebäude beeindruckt. Dazu gehört zum Beispiel das Riesenmodell der BREMEN (IV) oder die goldfarbene Galionsfigur „Germania“. Als die Ausstellung geräumt wurde, war das Handling speziell der Großobjekte wohl eine der größten Herausforderungen. Ich erinnere mich, wie die „Germania“ mithilfe eines Krans aus den großen Fenstern des oberen Stockwerkes, wo damals die Marineabteilung war, aus dem Gebäude geholt wurde. Sie sah aus, als ob sie schweben würde. Das war spektakulär.

Welchen Themen widmet sich die neue Dauerausstellung?

Zum großen Teil werden Themen präsentiert, die auch in der alten Dauerausstellung zu sehen waren. Wir erzählen sie aber neu, ordnen sie in größere Zusammenhänge ein und stellen Verknüpfungen her. Ein wichtiges Thema ist die Verbindung der Handels- mit der Kriegsschifffahrt. Dieser Bereich geht über in den Bereich „U-Boote“ mit dem Kleinst-U-Boot „Seehund“ als Mittelpunkt. Wir präsentieren auch wieder das Thema „Passagierschifffahrt und Migration“, zu dem seit Gründung des DSM in den 1970er-Jahren ein sehr großer Sammlungsbestand aufgebaut wurde. Ein ebenfalls wichtiger Sammlungsbestand, den wir gerne wieder zeigen möchten, bezieht sich auf die Geschichte der Seenotrettung. Die Aspekte der Schiffssicherheit und Schiffsuntergänge werden ebenso Thema sein wie die Raumerschließung auf See und die Navigation. Daneben planen wir interaktive und partizipative Zonen sowie Familienbereiche ein, die auch unsere Digitalisierungsarbeit zeigen. Gegenwartsbezüge werden zudem auch eine Rolle spielen: Wir befassen uns ja mit historischen Konstellationen, um uns in der Gegenwart Orientierung zu geben.

Wie fügt sich die neue Dauerausstellung ins Gesamtkonzept des DSM ein?

Schiffe verändern die Welt und damit auch jede und jeden von uns. Wir möchten vermitteln, dass Schiffe einen Einfluss auf unser aller Leben haben, egal, ob jemand einen maritimen Beruf hat, an der Küste wohnt oder in den Bergen lebt. Und wir möchten zeigen, dass die Welt, wie wir sie heute kennen, durch Schiffe geformt wurde. Wie Schiffe die Welt verändern, wird in den beiden Gebäudeteilen des Museums jeweils mit verschiedenen Schwerpunkten gezeigt. Im Erweiterungsbau, dem Bangert-Bau, steht das Schiff als technisches Konstrukt und sein Einfluss auf die marine Umwelt im Mittelpunkt. Daher präsentieren wir hier Themen wie z.B. den Schiffbau, den industriellen Fischfang und die Forschungsschifffahrt, der wir unser Wissen über den Ozean verdanken.

Im Scharoun-Bau zeigen wir, wie die Schifffahrt politische, soziale, kulturelle und ökonomische Entwicklungen gefördert oder gar hervorgerufen hat. Hier reisen die Menschen, treiben Handel, üben Macht aus, tauschen Wissen, kämpfen oder retten Leben und erfinden immer neue Wege, sich die Welt über das Meer zu erschließen.

Mit welchen Exponaten gibt es ein Wiedersehen?

Auf jeden Fall gibt es ein Wiedersehen mit den hier im Interview genannten Objekten. Aber auch viele andere Objekte, von denen wir wissen, dass unsere Gäste sie vermissen, sind wieder eingeplant. Wir werden eine ganze Menge an Schiffsmodellen zeigen. Einen Bruchteil davon hatten wir im letzten Jahr anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des DSM schon vorgestellt und die Bevölkerung wählte aus dieser Gruppe ihre Lieblingsmodelle. Die fünf Modelle mit den meisten Stimmen können noch in der Kogge-Halle besichtigt werden.

Auf welchen Bereich freuen Sie sich besonders und warum?

Ich kann mich wirklich für jeden Themenbereich begeistern. Denn ich glaube, dass die Ausstellung insgesamt in ihrer Vielfalt an Objekten, Themen und Geschichten ein relevantes, aber auch spannendes und berührendes Erlebnis sein wird. Wenn ich mich für einen Bereich entscheiden müsste, würde ich die Seenotrettung wählen. Mein erstes Ausstellungsprojekt am DSM war die Neugestaltung der DGzRS-Abteilung, die ich – damals noch im Bangert-Bau – umsetzen durfte. Daher freue ich mich, wieder dabei zu sein.

 

Das Rettungswesen im neuen Scharoun-Bau.

Bild: Agentur Facts and Fiction

Booklet zur Zukunft des Scharoun-Baus

Der Scharoun-Bau wird derzeit saniert und ist nur von außen zu sehen. (Foto: Karolin Leitermann)

Zu den kuratorischen und architektonischen Visionen für den Scharoun-Bau ist ein Booklet erschienen.

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