Die Geschichte der POLARSTERN: Neue DSM-Publikation über den Forschungseisbrecher

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Die Geschichte der POLARSTERN: „Traumschiff der Forschung“ anstelle eines „Marmeladeneimers“

12.09.2019

Eine provokante Frage verhalf der POLARSTERN zum Durchbruch und markiert damit den Beginn einer überaus erfolgreichen Geschichte. Zu mehr als 100 Expeditionen warf die Crew des großen Forschungsschiffes seitdem die Leinen los. Am 20. September bricht der Forschungseisbrecher des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) / Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung im norwegischen Tromsø zur bisher größten Arktisexpedition auf. Historiker Dr. Martin Weiss begleitet die Geschichte der POLARSTERN für das Deutsche Schifffahrtsmuseum (DSM) / Leibniz-Institut für Maritime Geschichte und weiß, wie damals alles begann.

"Also: Wollen wir einen Marmeladeneimer bauen oder ein solides, herzeigbares Schiff?" Mit dieser Frage konfrontierte der Bundestagsabgeordnete Horst Grunenberg (SPD) den damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt. Es war im Juli 1978, und es ging um die Frage, wie hoch der Etat für das geplante Forschungsschiff sein sollte. Ein Schiff, das auch Aufgaben als Versorger der Forschungsstationen übernehmen sollte. Ein Eisbrecher, gebaut für bedeutende Expeditionen in die menschenfeindlichsten Regionen der Erde. Also kein Marmeladeneimer.

Die plakative Frage scheint Wirkung gehabt zu haben, denn sie brachte Kanzler Schmidt zum Nachdenken. Und dazu, die eigentlich vorgesehene Investitionssumme für die POLARSTERN beinahe zu verdoppeln. 110 Millionen D-Mark stellte die sozialliberale Bundesregierung letztlich für den Bau des Polarforschungsschiffes bereit. "Für die damalige Zeit eine große Summe, die es ermöglichte, das Projekt in die internationale Spitze der Forschungsschifffahrt zu katapultieren", berichtet Dr. Martin Weiss. 

Schon Ende 1978 übernahm das Hamburger Entwicklungsbüro Schiffko den Entwurf; die Kiellegung des Rumpfes erfolgte im September 1981 auf der Howaldtswerke-Deutsche Werft in Kiel. Die Rendsburger Nobiskrug-Werft sorgte für die Innenausstattung. Die Technik, das Eis zu brechen, kam von der Hamburgischen Schiffbau-Versuchsanstalt (HSVA). Am 9. Dezember 1982 wurde die POLARSTERN in Dienst gestellt – und war eben genau das "herzeigbare Schiff", für das Grunenberg so intensiv geworben hatte.

"Das Schiff bietet reichlich Platz, denn die Aufgaben, für die es gebaut wurde, sind vielfältig", erklärt Weiss. Die POLARSTERN versorgt die deutsche Antarktis-Forschungsstation "Neumayer III" und sie ist dafür ausgelegt, gegebenenfalls sogar im Eis überwintern zu können. Die Lagerkapazitäten sind groß genug, und dank seiner soliden Konstruktion wird das Schiff auch nicht vom Eis zerdrückt, wenn es einfriert. Ausgelegt ist die POLARSTERN für 44 Crewmitglieder und 55 Forschende aus aller Welt, die in den Laboren an Bord ideale Bedingungen für ihre wissenschaftliche Arbeit vorfinden.

Über 105 Forschungsreisen in die kältesten Regionen der Erde, in Arktis und Antarktis, hat die POLARSTERN inzwischen absolviert. Mehr als 1,7 Millionen Seemeilen weit fuhr sie über die Meere – das entspricht mehr als drei Millionen Kilometern und mehr als 75 Umrundungen des Äquators. "In etwa 320 Tagen des Jahres ist das Schiff unermüdlich im Auftrag der Forschung unterwegs", sagt der Historiker des DSM. 

Große Beachtung findet zurzeit die MOSAiC-Expedition, während der die POLARSTERN ein Jahr lang im Eis einfrieren und durch die zentrale Arktis driften soll. Ziel dieser Forschungsreise ist es, Daten zu sammeln, mit denen man das globale Klimasystem besser verstehen kann. "Das Besondere an der POLARSTERN ist, dass sie mit solcher Regelmäßigkeit und Zuverlässigkeit Daten in Regionen sammeln kann, die nur schwer zugänglich sind", so Weiss.

Ein Schiff, das in extremen Bedingungen unterwegs ist, muss permanent und sorgfältig gepflegt werden. Von 1998 bis ins Jahr 2001 wurde die POLARSTERN grundüberholt und auf den technisch neuesten Stand gebracht. Mehr als 36 Jahre nach ihrer Indienststellung wird es aber Zeit für neue Lösungen. Erste Planungen für ein zusätzliches Polarforschungsschiff scheiterten 2008 an der Finanzkrise. Trotzdem empfahl der Wissenschaftsrat auch danach, einen Nachfolgebau für die POLARSTERN zu planen, der unter dem Projektnamen "POLARSTERN II" Ende 2015 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ausgeschrieben wurde.


Über das Booklet:
Das DSM befindet sich im Wandel und ist dabei, seine Ausstellung in enger Verbindung zu seinem Forschungs- und Ausstellungsprogramm "Mensch & Meer" neu zu konzipieren. Wichtigen Raum nimmt hierbei eine Reihe von Leitobjekten ein, die auch Gegenstand einer eigenen Reihe von Booklets sind. In den verschiedenen Ausgaben der Serie blicken Fachleute aus den drei Forschungsperspektiven "Interessen – Materialität – Wahrnehmung" auf das jeweilige Objekt, erläutern dessen Faszination und gehen Fragestellungen nach.

Neben Historiker Dr. Martin Weiss, beleuchten auch Prof. Dr. Antje Boetius, Direktorin des AWI, und Niels Hollmeier, Digital Curator am DSM, im Booklet "POLARSTERN – Traumschiff der Forschung" verschiedene Aspekte von Forschungsfahrten und der Darstellung in der Virtual-Reality-Ausstellung im Museum. Es umfasst 30 Seiten mit zahlreichen Abbildungen und ist im Museumsshop des DSM erhältlich.

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Foto: DSM / Lennart Edel 

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