Cookie-Richtlinie

Keine normale Schreibmaschine: Die Enigma

-

Keine normale Schreibmaschine: Die Enigma

Blog | | 09.12.2020

Vor ein paar Tagen fanden der Unterwasserarchäologe Florian Huber und sein Team in der Geltinger Bucht am Ausgang der Flensburger Förde eine verschlammte Enigma, eine der legendären Chiffriermaschinen aus dem Zweiten Weltkrieg. Nach ihrer Konservierung wird sie ihren Weg vermutlich dorthin finden, wo auch die anderen 400 überlieferten Exemplare von vermutlich 40 Tausend Maschinen dieses Typs aufbewahrt werden, nämlich im Museum.

Viele Stammgäste des Deutschen Schifffahrtsmuseums werden sich an die museumseigene „Enigma“ in ihrer Vitrine in der Nähe des Vortragssaals im sogenannten Scharoun-Bau erinnern. Für sie aber auch für andere, die noch nicht in ihren Weg ins Museum gefunden haben, soll dieses faszinierende Objekt hier kurz in Erinnerung gerufen beziehungsweise  vorgestellt werden.

Benannt nach dem altgriechischen Begriff für Rätsel („ainigma“) stellte die Enigma eine Erfindung des Unternehmers und Ingenieurs Arthur Scherbius (1878-1929) dar – zeitgleich übrigens zu Bemühungen insbesondere in den USA um vergleichbare Konstruktionen. Jahrhundertelang war die Chiffrierung von Nachrichten mühevolle Handarbeit. Im Ersten Weltkrieg offenbarte die Kombination aus Funk und das stabile Zuordnen eines Buchstabens zu einem anderen, wie er in Chiffrierschlüsseln festgelegt wurde, seine Schwächen. Scherbius und andere behoben dieses Problem, indem sie auf das System der „polyalphabetischen Verschlüsselung“ setzten, das es unmöglich machte, den Code mithilfe einer Suche nach sprachlichen Mustern zu knacken.

Das Funktionsprinzip beruht auf einfachen Stromkreisen. Diese verbinden eine Buchstabentaste des Schreibmaschinentastfelds mit einem Lämpchen, das auf dem Anzeigenfeld einen Buchstaben aufleuchten lässt. Die Stromwege führen über die drei oder mehr Walzen der Enigma bis zur sogenannten Umkehrwalze und von dort wieder zurück. Komplizierter und sicherer wurde sie zusätzlich durch das Anwenden eines gegeneinander versetzten Stecksystems.

Auf Vorarbeiten polnischer Mathematiker fußend waren zeitweise 10-14.000 Frauen und Männer unter strenger Geheimhaltung in der im Landsitz Bletchley Park beheimateten  „Government Code and Cypher School“ mit dem Knacken der deutschen Funksprüche befasst. Der britische Mathematiker Alain Turing (1912-1954) setzte dabei darauf, dass mechanische Verschlüsselung mit eben denselben Prinzipien zu entziffern sei. Hilfreich war dabei für die Briten, dass die Deutschen sich trotz anderslautender Ermahnungen durch die Heeresleitung in ihren Funksprüchen für eine gewisse Monotonie entschieden und beispielsweise ihre Wettervorhersagen mit immer gleichlautenden Begriffen verkündeten. Diese kulturell bedingte Eigenart leistete ihren Beitrag dazu, dass die Briten im Jahr 1943 bereits durchschnittlich mehr als 2500 Funksprüche pro Tag dechiffrieren konnten.

Die am DSM aufbewahrte Enigma stellt einen einfachen Typ dar, der über drei Walzen verfügte und aus dem Jahr 1943 stammt. Damit ist ausgeschlossen, dass dieses Gerät auf U-Booten eingesetzt wurde: Diese durften ab dem 1. Februar 1942 nur noch die sogenannte Enigma-M4 einsetzen, die mit vier Walzen als noch sicherer galt. Der Typ mit drei Walzen wurde bis Kriegsende auf Marineschiffen und in der Luftwaffe verwendet. So gelangte die jetzt gefundene Enigma wohl auch in die Geltinger Bucht: an Bord eines der Marineschiffe, die nach dem entsprechenden Befehl von Karl Dönitz (1891-1980) in seiner Funktion als Oberbefehlshaber der Kriegsmarine selbst versenkt wurden, um nicht den Alliierten in die Hände zu fallen. Die am DSM befindliche Maschine weist hingegen keine Spuren von Meereskontakt auf. Obwohl wir sie also nicht einem spezifischen Schiff zuordnen können, so erzählt sie uns dennoch eine Geschichte davon, wie ein Krieg auch von der technisch unterstützen Berechnung des Kommunikationsverhaltens der gegnerischen Seite abhängt.

 

Ein Beitrag von Prof. Dr. Ruth Schilling.

Die „Enigma“ Typ A12 297 (Baujahr 1943), die sich in der Sammlung des DSM befindet und künftig auch wieder in der Ausstellung gezeigt werden soll. zur Großansicht

Öffnungszeiten

Erste Öffnungsschritte: Führungen ab 24. Juni 2021

Weitere Infos

Anfahrt

Deutsches Schifffahrtsmuseum
Hans-Scharoun-Platz 1
D-27568 Bremerhaven

Kontakt

T. +49 471 482 07 0
M. info@dsm.museum

KontaktformularAnsprechpartner:inAusschreibungen

Haben Sie Anregungen? Dann teilen Sie uns diese unter feedback@dsm.museum mit.

.svgDSMlogo { fill: #fff; } .svgDSMType { display: block; } .svgDSMlogo { fill: #fff; } .svgDSMType { display: block; } .svgDSMlogoBlue { fill: #002c50; } .svgDSMType { display: block; } .svgDSMlogoBlue { fill: #002c50; } .svgDSMType { display: block; } .svgNavPlus { fill: #002c50; } .svgFacebook { fill: #002c50; } .svgYoutube { fill: #002c50; } .svgInstagram { fill: #002c50; } .svgLeibnizLogo { fill: #002c50; } .svgWatch { fill: #002c50; } .svgPin { fill: #002c50; } .svgLetter { fill: #002c50; }