Forschungsprojekte

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Geschichte der deutschen Seekartografie

Das Projekt untersucht die Entwicklung und den historischen Kontext der deutschen Seekartografie von den territorial geprägten Anfängen in der Frühen Neuzeit bis zur Etablierung einer wissenschaftlich fundierten staatlichen Hydrografie im Deutschen Reich.

Seeverkehr war – und ist – für Deutschland in seinen historischen Grenzen seit dem Mittelalter konstitutiv für Wirtschaft und Gesellschaft. Hydrografische Informationen über die befahrenen Seegebiete waren dabei essentiell für die Sicherheit von Seehandel, Fischerei und Marine. Bereits aus hansischer Zeit sind nicht-grafische Seehandbücher wie das sogenannte Niederdeutsche „Seebuch“ überliefert. Im 16. Jahrhundert entstanden die ersten großmaßstäbigen Seekarten der relevanten Verkehrsräume. Im baltischen Raum dominierte die Hydrographie der zentral organisierten schwedischen Marine, in den westlichen Revieren die niederländische Seekartografie.

Deutsche Bemühungen lassen sich zunächst nur vereinzelt und wenn, dann mit nicht-nautischen Intentionen ausmachen. Erst im 18. Jahrhundert entstehen nach und nach eigenständige Karten, die praktische Belange widerspiegeln. Sie stammen meist aus Kreisen der nautischen Praxis, sind jedoch aus wissenschaftlicher Sicht nicht unbedingt als fortschrittlich oder zeitgemäß zu bezeichnen. Auf der anderen Seite ist das erste staatlich autorisierte hydrografische Werk der preußischen Seekartografie, der „Nouvel Atlas de Marine“ von 1749, zwar wissenschaftlich brillant und auch im internationalen Maßstab absolut auf der Höhe seiner Zeit, für praktisch-nautische Zwecke ist es jedoch ungeeignet – und dort auch nicht nachweisbar verwendet worden.

Dieser Sachverhalt wirft verschiedene Fragen auf. Welche Zielgruppen setzte sich die wissenschaftliche Kartografie in der Anfangszeit und wie beeinflusste dies die Auswahl und Gestaltung der Seekarten? Welche Rolle spielte das Navigationshilfsmittel „Seekarte“ überhaupt in der frühneuzeitlichen Nautik? Und schließlich: Welche Parameter waren erforderlich, um die wissenschaftliche Seekartografie und die praktische Nautik zusammenzuführen?
Das Projekt untersucht dazu neben den Karten und hydrografischen Informationen insbesondere auch die jeweiligen Urheber und ihre Zielgruppen, die politischen Beweg- und Hintergründe, die internationalen Verflechtungen sowie die Rezeption der kartografischen Produkte in der nautischen Praxis.

Das Seebuch

Das älteste Seehandbuch Nordeuropas wurde um 1470 verfasst und enthält nautische Anweisungen von Estland und Norwegen über England, Irland und Frankreich bis zur Iberischen Halbinsel und Marokko.  Auch die grundlegenden Navigationsinstrumente und -verfahren der nordwesteuropäischen Seeschifffahrt des Spätmittelalters und der tiefgreifende Einfluss der Gezeiten auf die Navigation werden hierin erklärt. Das Original befindet sich heute in der Hamburger Commerzbibliothek. Im Rahmen der Forschungsarbeit am DSM wurden die alten Aufzeichnungen aufwendig transkribiert und stehen auf einer eigenen Website zusammen mit Scans der Originalseiten zum Einsehen bereit.

Zum Seebuch

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0471 482 07 0

Sauer@dsm.museum

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