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Lebenserinnerungen eines alten Seefahrers

oder Erlebnisse und Beobachtungen von frühester Jugend bis zum 78. Lebensjahre

Lebenserinnerungen eines alten Seefahrers
Hermann Sandmann
Bremerhaven: Deutsches Schiffahrtsmuseum; Wiefelstede: Externer Link: Oceanum Verlag
Herausgegeben von Ursula Feldkamp und Karl-Wilhelm Wedel
Deutsches Schiffahrtsarchiv 33, 2010; Beiheft

2. Auflage 2012, 168 Seiten, 66 teils farbige Abbildungen, 16,5 x 24 cm, Hardcover, gebunden, 500 g
ISSN 1868-9434ISBN 978-3-86927-133-0
17,90 EUR Kaufen
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Zum Inhalt

Die Erinnerungen von Kapitän Hermann Sandmann an seine Kindheit und seine Seefahrtszeit auf Papenburger Segelschiffen zählen zweifelsfrei zu den bedeutendsten Berichten aus der deutschen Segelschifffahrt des 19. Jahrhunderts. In diesem einzigartigen Selbstzeugnis aus der wirtschaftlichen Blütezeit Papenburgs schildert er seine Reisen von 1831 bis 1869 als Schiffsjunge, Matrose und Kapitän.

Die Fahrtgebiete und Frachtgeschäfte der von Sandmann geführten Schiffe STADT MEPPEN, LANDDROST LÜTCKEN und LÜTCKEN waren typisch für Papenburger Schiffe, die während der Zeit ihrer Zugehörigkeit zum Königreich Hannover bis 1866 vor allem Frachtfahrt für fremde Rechnung betrieben. Ihre Routen erstreckten sich bis in die 1840er Jahre auf Europa und das Baltikum. In holländischen Häfen luden sie Kolonialwaren für deutsche und russische Ostseehäfen und brachten von dort regionale Produkte wie Getreide, Holz und Häute zurück. Später waren sie weltweiter Fahrt unterwegs und beteiligten sich auch am Auswanderergeschäft.

Hermann Sandmann berichtet über einzelne Reisen, erwähnt die Ladungen, erläutert geschäftliche Vorgänge seiner Reederei, schildert zuweilen sogar die Produktion der beförderten Güter, wie die Salzgewinnung in Cadiz oder die Schlachtung und Verarbeitung von Rindern in Argentinien. Als erster deutscher Kapitän gelangte er mit seinem Schiff nach Bangkok, erlebte in Brasilien die Vermählung des 13-jährigen Kaisers, in Stettin den »Kartoffelkrieg«, 1848 die deutsche Revolution und geriet wenige Jahre darauf mit seinem Schiff in den Russisch-Türkischen Krieg.

Sehr deutlich wird die Vernetzung der Reeder, Kaufleute, Kapitäne und Werftinhaber in der Papenburger Seefahrt. Auch waren viele Seeleute miteinander verwandt oder kannten sich aus der Heimat. Daher hat Sandmann, anders als sonst Chronisten der Segelschifffahrt, den Umgang an Bord als menschlich, sogar gesellig erlebt. Die Seeleute nahmen den elternlosen 13-jährigen Hermann väterlich unter ihre Fittiche, erzogen, unterrichteten und unterstützten ihn. Die Verbundenheit auf den Papenburger Schiffen erleichterte auch Kapitänsfrauen die Mitreise. Sandmann nahm seine Frau so oft wie möglich auf seinen Reisen mit.

Seine 1896 im Privatdruck publizierten Lebenserinnerungen, die als Faksimile-Druck 1982 und 1986 vom Papenburger Heimatverein neu herausgegeben wurden, liegen hier erstmals als neu gedruckte und kommentierte Ausgabe vor. Darin wurden neben zahlreichen zeitgenössischen Abbildungen aus dem Archiv des Deutschen Schiffahrtsmuseums in Zusammenarbeit mit zwei Urenkeln Sandmanns aus Bonn und Papenburg weitere Dokumente und Objekte aus dem Nachlass des Kapitäns recherchiert und ausgewertet, unter anderem sieben 1862 bis 1863 von Sandmanns Ehefrau Josephine verfasste Briefe von Bord der Bark LÜTCKEN an die Töchter Adelheid und Henriette Sandmann in der Höheren Töchter-Schule in Haselünne. Diese wohl einzigen noch existierenden originalen Dokumentationen über die Reisen der Bark LÜTCKEN geben einen Einblick in die Lebensverhältnisse einer Seefahrerfamilie und werden im Nachwort dieser Ausgabe buchstabengetreu wiedergegeben und kommentiert.