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28. Februar 2018

Auf den Spuren der Meuterer der »Bounty«
Bild- und Filmvortrag von Wolfgang Pistol
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12. März 2018

Umweltschutz, Digitalisierung und verschärfter Wettbewerb -aktuelle Herausforderung für die deutsche Seeschifffahrt
Vortrag von Herr Kapitän Alfred Hartmann, Verband Deutscher Reeder
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18. März 2018

Fragen an die Herkunft - Provenienzforschung im Deutschen Schiffahrtsmuseum
Vortrag von Dr. Kathrin Kleibl
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PDF: Programmflyer 2017/2018 (2,4 MB)

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Provenienzforschung

Fragen an die Herkunft

Bildrückseite des Ölgemäldes Kutter vor Dover von William Callcott Knell aus dem Jahr 1848 (DSM Inv. I/03436/85).Die Provenienzforschung (auch Provenienzrecherche, Provenienzerschließung oder Herkunftsforschung) beschäftigt sich mit der wissenschaftlichen Erforschung der Herkunft (Provenienz) und den wechselnden Besitzverhältnissen von Kulturgütern, Kunstwerken, Archivalien und Büchern. Ferner ist es ihre Aufgabe, den Verbleib von vermisstem Kulturgut zu klären.

Generell wird innerhalb der Provenienzforschung zwischen und Beutekunst (Kriegsbedingt verbrachtes Kulturgut) und Raubkunst (insbesondere NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut) unterschieden:

Beutekunst

Beutekunst nennt man zusammenfassend jene Kulturgüter, die sich jemand in einem Krieg oder kriegsähnlichen Zustand widerrechtlich (entgegen Art. 56 der Haager Landkriegsordnung) aneignet (Kunstraub). Dies geschieht meist, um sich selbst, die eigene Partei bzw. Gruppierung oder den eigenen Staat zu bereichern; zuweilen auch, um den Gegner herabzusetzen. Oftmals ist Kunstraub auch Ausdruck einer staatliche oder religiösen Ideologie.

Raubkunst

Im Dezember 1998 wurden auf der »Washington Conference on Holocaust-Era Assets« (Washingtoner Konferenz über Vermögenswerte aus der Zeit des Holocaust) mit den »Washington Principles« (Grundsätze der Washingtoner Konferenz in Bezug auf Kunstwerke, die von den Nationalsozialisten beschlagnahmt wurden) 11 Punkte verabschiedet. Die Museen der unterzeichnenden 44 Staaten wurden aufgefordert, ihre Bestände bezüglich ihrer Herkunft zu überprüfen und festzustellen, ob sich darunter Kulturgegenstände befinden, die während des Nationalsozialismus ihren Besitzern unrechtmäßig enteignet worden sind. Die Unterzeichnerstaaten, auch Deutschland, haben sich unter anderem verpflichtet, deren rechtmäßige Eigentümer zu suchen und faire und gerechte Lösungen zu finden. 1999 bekräftigten die Bundesregierung, die Länder und die kommunalen Spitzenverbände in der Berliner Erklärung diese Forderung und ermunterten die deutschen Sammlungen und ihre Rechtsträger, die Suche nach NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut insbesondere aus jüdischem Besitz aufzunehmen bzw. fortzusetzen.

Die den meist jüdischen Opfern zwischen 1933 und 1945 entzogenen und geraubten Kulturgütern gingen vielfach in den Besitz von öffentlichen und privaten Sammlungen über. In der Nachkriegszeit fanden nur unzureichende Rückgaben statt, so dass sich auch heute noch eine Vielzahl von Objekten ursprünglich jüdischen Eigentums, oft unerkannt, in den Museen befindet. Jegliches Kulturgut, das vor 1945 entstanden ist und nach 1933 angekauft oder übernommen wurde, könnte theoretisch aus Raubkunstbeständen stammen. Daher ist es die Aufgabe eines jeden Museums und einer jeden Sammlung, seine Bestände systematisch auf Raubkunst zu prüfen.

Um sich, wie andere deutsche Museen auch, seiner Verantwortung zu stellen, und Kulturgut, das bis 1945 entstanden ist, auf seine Provenienzen hin zu untersuchen, steht eine systematische Überprüfung des Sammlungsbestandes im DSM an. Seit Februar 2017 wird die Provenienzforschung im Deutschen Schiffahrtsmuseum Bremerhaven mit einer zeitlich befristeten Stelle durch das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg gefördert.

Wie arbeitet ein/e Provenienzforscher/in?

Einerseits werden Daten ausgewertet, die sich direkt am betreffenden Objekt befinden: Rückseitenbeschriftungen, Künstler- und Eigentümervermerke bei Gemälden, handschriftliche Einträge, Marginalien, Widmungen, Initialen, Stempel oder Exlibris bei Büchern und Archivalien. Andererseits werden externe Materialien, wie Kataloge, Aktenbestände, Verkaufsunterlagen des Kunsthandels, Auktions- und Ausstellungskataloge, Archivalien oder Briefe auf Hinweise von früheren Besitzern untersucht.
Systematische Überprüfung der Sammlungsbestände des Deutschen Schiffahrtsmuseums Bremerhaven auf NS-verfolgungsbedingt entzogene Kulturgüter (Raubkunst)

Das 1971 gegründete und 1975 eröffnete Deutsche Schiffahrtsmuseum (DSM) in Bremerhaven beabsichtigt, seine Sammlungsbestände systematisch auf NS-verfolgungsbedingt entzogene Kulturgüter zu untersuchen. Hierbei geraten zunächst zwei Komplexe aus dem »Gründungsbestand« des Museums unter Verdacht – also jene Objekte, die bei der Gründung des Museums zuerst ans Haus kamen und welche die Eckpfeiler der Sammlung darstellen. Dieser Bestand umfasst technik-, sozial- und wirtschaftshistorisch relevante Objekte, Schiffsmodelle, Gemälde und Graphiken sowie Archivalien und Fotographien zur deutschen Schifffahrtsgeschichte.

Zum »Gründungsbestand« gehören u.a. Objekte aus einer umfangreichen Privatsammlung sowie jene Kulturgüter, die dem DSM aus dem Morgenstern-Museum Bremerhaven überlassen wurden. Die Provenienzen einiger dieser Objekte ist für den Zeitraum zwischen 1933 und 1945 nicht eindeutig geklärt; es bestehen Provenienzlücken, die geschlossen werden müssen. Erforscht werden im Zuge des Projektes auch die Hintergründe von Sammlungen und spezifischen Sammlerpersönlichkeiten.

Hinweise auf Raubgut sind im DSM auch außerhalb dieser beiden Sammlungskomplexe zu finden: bei zeitgleich und auch später getätigten Ankäufen aus dem Kunsthandel und bei Übernahmen von privaten Sammlungen. Daher werden einem dritten Komplex zudem konkrete Verdachtsfälle geprüft.


Das Projekt wird durch Eigenmittel des Deutschen Schiffahrtsmuseums und das Externer Link: Zentrum Kulturgutverluste finanziert.

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Ansprechpartnerin:
Dr. Kathrin Kleibl
Provenienzforschung
Deutsches Schiffahrtsmuseum/German Maritime Museum
Leibniz-Institut für deutsche Schiffahrtsgeschichte/Leibniz Institute for German Maritime History
Hans-Scharoun-Platz 1
27568 Bremerhaven
Tel. +49 471 482 07 835
Fax +49 471 482 07 78
kleibl at dsm.museum

Weiterführende Links:
Lost Art Datenbank Magdeburg  Externer Link: http://www.lostart.de/Webs/DE/LostArt/Index.html
Deutsches Zentrum Kulturgutverluste Externer Link: https://www.kulturgutverluste.de/de/