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Abenteuer Salpeter

Gewinnung und Nutzung eines Rohstoffes aus der chilenischen Atacamawüste

Abenteuer Salpeter
Lars U. Scholl und Rainer Slotta (Hrsg.)
Bremen: Edition Falkenberg

1. Auflage 2014, 168 Seiten, 186 überwiegend farbige Abbildungen, 21 x 26 cm, Hardcover, gebunden, 890 g
ISBN 978-3-95494-039-4
22,90 EUR Kaufen
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Zum Inhalt

Salpeter als Bestandteil des Schießpulvers war in Europa seit dem 14. Jahrhundert bekannt. Seine hervorragende Eigenschaft als Düngemittel wurde bereits im 18. Jahrhundert erkannt und fand im 19. Jahrhundert weitverbreitete Anwendung in der Landwirtschaft. In der Atacamawüste Südamerikas, die nach dem Salpeterkrieg Chiles gegen Peru und Bolivien (1879–1884) an Chile gefallen war, wurde in den Oficinas genannten Abbaustätten in großem Maße Salpeter gewonnen, der auf den Salpeter-Klippern rund um Kap Hoorn nach Europa verschifft wurde. Die Oficinas Santa Laura und Humberstone gehören heute zum Weltkulturerbe.

Die großen Vier- und Fünfmaster der Hamburger Reederei F. Laeisz wie die POTOSI oder die PREUSSEN oder die Segler der Bremer Reederei D.H. Wätjen warteten auf der Reede vor den Häfen von Iquique oder Antofagasta auf ihre Ladung, die in Säcken verpackt auf Leichtern zu den Ankerplätzen gebracht wurde. Der sogenannte Chilesalpeter war in ausreichenden Mengen verfügbar und belebte über Jahrzehnte die chilenische Wirtschaft bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges, der die Großsegelschifffahrt zum Erliegen brachte.

Die Erfindung der Ammoniaksynthese durch das Haber-Bosch-Verfahren beschleunigte den Niedergang der Bedeutung von Salpeter. Der bis dahin preislich günstige Chilesalpeter wurde durch das künstlich und industriell hergestellte Ammoniak weitgehend obsolet. In geringerem Maße war Salpeter aber auch nach dem Krieg noch nachgefragt, bis die Salpeterindustrie im Zuge der weltweiten Rezession von 1929/30 zum Erliegen kam.

Das Buch »Abenteuer Salpeter« geht auf ein interdisziplinäres Forschungsprojekt des Deutschen Schiffahrtsmuseums als Leadpartner zurück, das im Rahmen des Paktes für Forschung und Innovation im wettbewerblichen Verfahren vom Senatsausschuss Wettbewerb (SAW-Verfahren) der Leibniz-Gemeinschaft für die Jahre 2008–2010 genehmigt worden war. Der Titel des Vorhabens lautete: »Zeitgemäße Wissensgenerierung im Museum auf der Basis vernetzter Datenquellen – Darstellung von Forschungsergebnissen zum Thema Rohstoffgewinnung und Rohstofftransport über ein neues Vermittlungskonzept«. Während das Deutsche Schiffahrtsmuseum den Part des Salpetertransports von Chile nach Deutschland übernahm, wurde vom Deutschen Bergbau-Museum in Bochum, das wie das Deutsche Schiffahrtsmuseum eines der acht Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft ist, der Salpeterabbau erforscht. Der hier vorgelegte Band gibt Auskunft über die geleistete Arbeit und die erzielten Ergebnisse.

Inhalt:

Lars U. Scholl und Rainer Slotta: Vorwort
Rainer Slotta: Die Chile-Forschungsreisen und ihre Ergebnisse
Barbara Torres Baquedano: Forschung in Chile – Archivarbeit und Kontakte
Christian Ostersehlte: Andenstaaten im Vergleich: Peru, Bolivien und Chile im 19. und frühen 20. Jahrhundert
Rainer Slotta: Salpeter – Eigenschaften, Geschichte, Gewinnung und Nutzung
Björn Müller: Salpeter als Wirtschaftsfaktor
Rainer Slotta: Werbung für Salpeterdünger auf Plakaten
Björn Müller: Von der Wüste auf das Schiff: Zur Salpeterverladung
Christian Ostersehlte: Die Transporteure: Bedeutende Salpeterreedereien
Björn Müller: Salpeterentladung in den Häfen
Klaus Herrmann: Chilesalpeter in der deutschen Landwirtschaft
Christian Ostersehlte: Ein Wirtschaftskonflikt am Pazifik: Der Salpeterkrieg (1879–1884)
Christian Ostersehlte: Bewahrte Neutralität: Der Salpeterkrieg und das Deutsche Reich
Inga Brantzky: Alltägliche Härte statt Seefahrtsromantik – Zum Bordalltag
Inga Brantzky: Von Segel zu Dampf und von Holz zu Stahl
Inga Brantzky und Barbara Torres Baquedano: Von Europa nach Chile und zurück. Die Geschichte des Hauses Gildemeister in Iquique
Lars U. Scholl: »Des Salpeters Kulis«. Die Salpeterarbeiter im Werk Theodor Plieviers
Barbara Torres Baquedano: Santa Laura – Eine exemplarische Oficina
Jörg Engster: Aus der IT-Werkstatt: Die virtuelle Oficina Santa Laura – ein Arbeitsbericht
Rainer Slotta: Friedhöfe der Salpeterwerke
Jörg Engster: Die Kommunikationsplattform des com.pakt-Projekts
Lars U. Scholl: Zeitgemäße Wissensgenerierung im Museum auf der Basis vernetzter Daten