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Publikationsverzeichnis
„Schriften des Deutschen Schiffahrtsmuseums“ |
Thomas
Förster
Große Handelsschiffe
des Spätmittelalters
Untersuchungen
an zwei Wrackfunden des 14. Jahrhunderts vor der Insel Hiddensee und der
Insel Poel
Schriften
des Deutschen Schiffahrtsmuseums, Band 67
Convent
Verlag, Kuden
2009, 376
S., 269 Abb., davon 185 in Farbe, Großformat (21 x 27 cm), in Kunstleinen
gebunden, mit farbigem Schutzumschlag, 1745 g
EUR 49,90
ISBN 978-3-86633-012-2
Zum Inhalt:
Die Ostsee
bietet der Unterwasserarchäologie ein reichhaltiges Fundreservoir.
Die frühe Nutzung als Verkehrsweg durch den Menschen und sehr
günstige Erhaltungsbedingungen für archäologische Funde
sorgten dafür, dass hier Schiffswracks wichtiger geschichtlicher Epochen
bewahrt blieben.
Moderne
Ortungsmittel und die Entwicklung der Tauchtechnik ermöglichten Archäologen
die Auffindung und Untersuchung zahlreicher Schiffswracks. Allein im Bereich
der deutschen Ostseeküste vor Mecklenburg-Vorpommern gelang in den
letzten Jahren der Nachweis von annähernd 1500 Schiffswracks.
Unter der Leitung des Verfassers konnten über 300 dieser Fundpositionen
in aufwendigen Tauchexpeditionen wissenschaftlich erfasst werden.
Einen Schwerpunkt
der Forschungen stellten dabei zahlreiche neu entdeckte Schiffsfunde des
Spätmittelalters dar. In dieser Zeit dominierte das Wirtschaftsbündnis
der Hanse den Warenaustausch im nördlichen Europa. Dabei bildete das
Schiff als wichtigstes Transportmittel die Basis der ökonomischen
Macht. Bislang wurden vornehmlich historische Quellen zur Erforschung dieser
Thematik herangezogen. Aktuelle archäologische Untersuchungen an Wrackfunden
und Hafenanlagen erweitern das bisherige Bild und erlauben umfassende Aussagen
zum Schiffbau, zur Schifffahrt und zum Seehandel jener Zeit.
Im Mittelpunkt
des Buches stehen zwei hansezeitliche Wrackfunde, die am Gellen an der
Südspitze der Insel Hiddensee und vor Timmendorf an der Westküste
der Insel Poel entdeckt, untersucht und geborgen wurden. Das »Poeler
Wrack« von 1369 und das »Gellenwrack« von 1378 zeigen
in besonderer Weise, dass die Schiffsform durch das Fahrtgebiet, die Frachten
und auch durch die beherrschten Bautechnologien geprägt wurde. Sensationell
ist der anhand der beiden Schiffsfunde mögliche Nachweis, dass in
der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts eine sprunghafte Erhöhung
der Ladekapazität der Handelsschiffe stattfand. In der Blütezeit
der Hanse bedeutete die Vergrößerung des Transportraumes auf
Schiffen eine Profitmaximierung bei den hansischen Kaufleuten. Das Bestreben
nach einer größeren Ladekapazität führte im Schiffbau
zu neuen Entwicklungen, die sich an der Konstruktion der beiden Wrackfunde
nachweisen lassen.
Die Fertigung
einer Replik des Poeler Wrackfundes erlaubte ein genaues Studium der traditionellen
Schiffbautechnologien. Zugleich konnten an dem originalgetreuen Nachbau
der »Poeler Kogge« moderne schiffstheoretische Berechnungen
durchgeführt werden. Die Analyse des noch erhaltenen Schiffsinventars
ermöglichte wichtige Aussagen zu Ladungsgütern und Fahrtrouten,
zur Seemannschaft und zum Alltagsleben an Bord.
Der Autor:
Thomas
Förster, geboren 1966 in Bergen auf der Insel Rügen, studierte
Museologie an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig
und promovierte 2005 mit der vorliegenden Schrift an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität
Greifswald. Seit 1985 maßgeblich an der Erfassung und Untersuchung
von archäologisch bedeutsamen Schiffsfunden in der Ostsee vor der
Küste Mecklenburg-Vorpommerns beteiligt, ist er heute als Wissenschaftler
am Deutschen Meeresmuseum in Stralsund tätig und in verschiedenen
unterwasserarchäologischen Projekten aktiv.