Hansekogge von 1380Deutsches Schiffahrtsmuseum

 Die Schlachte-Kogge

 
Im Sommer 1991 stießen Arbeiter beim Bau einer Abwasserleitung 14 m tief unter der Schlachte in Bremen – der Uferstraße, die an der Stelle des früheren Stadthafens verläuft – auf den Rest eines mittelalterlichen Schiffes. In einer aufwendigen Grabung bargen Tiefbauer und Mitarbeiter des Landesarchäologen das aufregende Boden-Heckteil eines koggeähnlichen Schiffes.
Es ist immer spannend zu sehen, wie Bootsbauer an Bug und Heck den Schiffsboden, die Seitenwände und die Steven zusammenfügen, wasserdicht und belastbar. Hier ist das Problem mit einem einbaumförmigen, zu einem senkrechten Steven zulaufenden Bauteil gelöst. Der Steven trägt einen eisernen Beschlag mit einer Ruderöse, einem Scharnier, in das ein Heckruder eingehängt wird.
Das Schiffsteil ist mit der C14-Methode in die Zeit um 1170 datiert worden. Damit ist es der älteste Schiffsfund mit Heckruder im nordeuropäischen Fahrgebiet und stammt aus der Zeit, in der die hiesigen Schiffbauer gerade diese technische Neuerung und Verbesserung einführten. Wir haben die Hölzer mit Zucker konserviert.
 
 
Das Tau ist aus Moos geflochten und war um das Heck der Schlachte-Kogge gewunden. 30 m davon konnten die Bremer Archäologen ausgraben – ein sehr seltener Fund. Möglicherweise haben Leute gleich nach dem Untergang des Schiffes versucht, das Heck mit diesem Tau zu heben.
 
 
Das Tau muss eine große Zugfestigkeit gehabt haben: In einem Versuch konnte ein Zopf aus nur drei frisch gepflückten Pflänzchen ein Gewicht von 5 Kilogramm tragen! Das Moos ist Gemeines Frauenhaarmoos (Polytrichum commune), die Pflänzchen sind bis zu 40 cm lang und ihre Stängel ziemlich zäh.
Zeichnung: Michael Wesemann
Fotos und Text: Per Hoffmann