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| Das Nassholzlabor ist seit zwanzig Jahren der Mittelpunkt des Kogge-Projektes. Die Konservierung der Bremer Kogge von 1380 ist ein naturwissenschaftliches Experiment in großem Stil; als wir anfingen, gab es kein direkt vergleichbares Vorhaben. Auf viele Fragen des praktischen Vorgehens beim Konservieren eines großen Schiffes und auf grundsätzliche Fragen des Verhaltens von Nassholz wusste niemand eine Antwort. | ||||
| Heute können wir maßgeschneiderte Konservierungsprogramme für archäologische Schiffsfunde und andere große Objekte entwerfen. Wir forschen daran, diese Methoden weiter zu verbessern und zu vereinfachen. Unser Wissen und unsere Erfahrung stellen wir anderen Instituten und Privatleuten zur Verfügung, und auf Wunsch helfen wir bei der Einrichtung und Durchführung von großen Konservierungsvorhaben. | ||||
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| Das
Problem mit
nassem Holz
Mit der Bergung der Kogge schufen die Archäologen ein großes Konservierungsproblem. 45 Tonnen nasses Holz – Planken, Spanten, schwere Balken – kamen in das neu errichtete Deutsche Schiffahrtsmuseum. |
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Aber
beim Trocknen verdunstet das Wasser aus den Zellhohlräumen und den
Löchern in den Zellwänden. Die dabei entstehenden
Zugspannungen
sind größer als die Festigkeit der geschwächten Zellen.
Das Holz schrumpft, wirft sich und bricht zusammen. Man muss das Holz
vor
dem Trocknen in seiner inneren Struktur stabilisieren – stärken –,
wenn man es in seiner Form erhalten will. |
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So sieht gesundes Holz aus. Die Zellwände sind dick und massiv. |
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In diesem Holz sind die Zellwände stark ausgehöhlt. Es ist noch nass und hält seine Form – wie der Würfel oben links. |
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So sehen Holzzellen aus, die beim Trocknen völlig zusammen gebrochen sind. Dies ist in dem rechten Würfel oben passiert. |
| Konservierungsverfahren für Schiffsfunde |
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Die Wahl eines passenden
Konservierungsverfahrens
hängt vom Zustand des Holzes ab. Nicht alle archäologischen
Hölzer
sind gleich. Sie stammen von verschiedenen Baumarten, sind
unterschiedlich
stark von Mikroorganismen abgebaut und zerstört. Sieben Schiffe
unserer Mittelalterflotte
haben wir auf unterschiedliche Weisen stabilisiert. Inzwischen
sind wir Spezialisten für die Konservierung von großen
archäologischen
Funden aus nassem Holz. Meistens wählen wir Verfahren, in denen Polyethylenglykol – PEG, ein Kunstwachs – als Stabilisierungsmittel eingesetzt wird. Wir haben aber auch verschiedentlich Zucker als Stabilisierungsmittel bei der Konservierung von Schiffsfunden verwendet. Beide Mittel sind wasserlöslich. Sie können aus einer wässrigen Tränklösung in das wassergefüllte Holz diffundieren, eindringen, und es mehr oder weniger vollständig ausfüllen, je nach der gewählten Konzentration des Tränkbades. Lässt man das Holz nach der Tränkung trocknen, bleibt das Stabilisierungsmittel im Holz und steift es von innen aus: Die Trockenschwindung wird weitgehend verhindert, das Holz behält seine Form. PEG gibt es in verschiedenen Sorten. Das Molekulargewicht des PEG, die Konzentration des Tränkbades und seine Temperatur passen wir der Holzart und seinem Erhaltungszustand an. |
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| Das Zwei-Stufen-PEG-Verfahren für die Kogge |
Die Planken und Balken der Kogge
sind aus Eiche. Sie enthielten zwei Holzqualitäten zugleich:
Außen
waren die Bauteile weich und von Mikroorganismen abgebaut, innen
dagegen
waren sie hart und kaum verändert. Für
die Stabilisierung der Kogge haben wir ein spezielles
Zwei-Stufen-Verfahren
entwickelt. In einem ersten Tränkbad mit niedermolekularem PEG 200
dringen die kleinen PEG-Moleküle in das Innere der Hölzer
ein,
in die Wände der nicht abgebauten Holzzellen – oben links. In
einem
zweiten Bad mit hochmolekularem PEG 3000 füllen die großen
PEG-Moleküle
die Zellhohlräume sowie die durchlöcherten Zellwände in
den stark abgebauten Holzpartien – oben rechts – und erstarren dort
nach
dem Ende der Tränkbehandlung. Auf diese Weise werden beide
Holzqualitäten
in einem Schiff oder Boot stabilisiert, jede von einem anderem PEG. |
| In umfangreichen Versuchsserien fanden wir heraus, welche PEG-Sorten in welchen Holzqualitäten zu den besten Stabilisierungsergebnissen führen und wie viel PEG in das Holz eindringen muss. |
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| Zwei getrocknete Proben aus demselben archäologischen Holz: Die untere ist optimal stabilisiert. Sie lag erst in einem Tränkbad mit PEG 200, danach in einem Bad mit PEG 3000. | ![]() |
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Der
Schritt aus dem Labor zur Konservierung im großtechnischen
Maßstab
ist aufregend. Die Kogge
ist
23,27 m lang, ihre größte Breite beträgt 7,62 m, die
Rumpfhöhe
einschließlich Achterkastell und Gangspill 7,02 m. Ihr
Konservierungsbecken
fasste 800 m³ PEG-Lösung. Zweimal im Jahr haben wir Holzproben genommen und die Verteilung der PEG-Sorten im Holz gemessen. So konnten wir den Endpunkt der Konservierung bestimmen. |
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Nach dem 1.
Tränkbad: Kogge mit PEG 200 unter dem Mikroskop |
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Nach dem 2.
Tränkbad: Koggeholz mit PEG 3000, 100-fache Vergrößerung |
| Das
Zwei-Stufen-PEG-Verfahren
eignet sich für alle Holzfunde, die mehrere
Erhaltungszustände
in sich vereinen – das gilt für die meisten Schiffsfunde. Neben
der Kogge
haben wir unseren Oberländer
und das Flussschiff Karl
so
konserviert. Auf unseren Rat wurden das „Jesus-Boot“ vom See Genezareth
sowie das Shinan-Schatzschiff, eine mittelalterliche Dschunke in Korea,
mit einem Zwei-Stufen-PEG-Verfahren erfolgreich stabilisiert. Die MARY
ROSE in Portsmouth, das Flaggschiff Heinrichs VIII., wird in einigen
Jahren
fertig sein. Heute benutzen Restauratoren in aller Welt das
Zwei-Stufen-PEG-Verfahren
zur Konservierung von Schiffsfunden. Wir haben das Zwei-Stufen-PEG-Verfahren in Laborversuchen für verschiedene Holzarten optimiert. Unsere Galionsfigur Martha ist aus amerikanischer Kiefer geschnitzt. |
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Die
Tränkung mit niedermolekularem PEG |
| Besteht ein Schiffsfund durchweg
aus gut
erhaltenen, nicht abgebauten Hölzern, oder besitzen die Planken
und
Balken nur eine wenige Millimeter dicke Außenschicht aus
abgebautem
Holz, dann erreicht man eine gute Stabilisierung mit einer
Tränkung
mit niedermolekularem PEG. PEG mit Molekulargewichten von 200 bis 400
sind
geeignet. Die Hölzer können in einem unbeheizten Konservierungsbecken behandelt werden. Man kann auch eine Sprühbehandlung einrichten, wie wir das für den Torffrachter in Osterholz-Scharmbeck, unten links, gemacht haben. Für größere Schiffe ist dies meist billiger, als ein entsprechend großes Becken zu füllen. Jüngstes Beispiel einer Sprühbehandlung sind die Weser-Lastkähne, unten rechts, von etwa 1755 im Weserrenaissance-Museum Schloß Brake in Lemgo, deren Tränkung wir im Jahre 2003 beendeten. Aus unserer eigenen Mittelalterflotte haben wir den Lasteinbaum von der Leine und den Ponton von Mandelsloh mit PEG 200 stabilisiert. |
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Die
Tränkung
mit hochmolekularem PEG |
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| Besteht ein Schiffsfund aus
stark abgebautem
Holz oder aus Hölzern, die überwiegend stark abgebaut sind
und
nur noch einen geringen Anteil festen, nicht abgebauten Holzes
enthalten,
dann kann eine Tränkung mit hochmolekularem PEG mit
Molekulargewichten
von 2000 bis 4000 eine gute Stabilisierung bewirken. Die Tränkung
nur mit hochmolekularem PEG ist die älteste PEG-Methode zur
Stabilisierung
von Holz. Restauratoren benutzten sie zuerst in den 1950er Jahren.
Diese Tränkung muss in einem Becken erfolgen, da man die dickflüssige, hochkonzentrierte und heiße PEG-Lösung nicht versprühen kann. Wir erhöhen die Konzentration der Tränklösung nur auf 75% bis 80% und nicht bis auf fast 100% PEG, wie es früher üblich war. Die behandelten Hölzer behalten dann ein natürlicheres Aussehen. Unsere Eke, das Fass aus der Kogge und eine kleine Galionsfigur haben wir auf diese Weise stabilisiert. |
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Die
Tränkung mit Zucker |
Zucker
kann bei Hölzern mit zwei Qualitäten oder bei wenig
abgebautem
Holz das Mittel der Wahl sein. Ein Tränkbad mit einer
konzentrierten
Zuckerlösung einzurichten, kostet weniger als ein Bad mit PEG,
denn
die Zuckerlösung braucht nicht erwärmt zu werden, um
flüssig
zu bleiben. Zwei erhebliche Nachteile aber hat die Tränkung mit
Zucker:
Erstens ist es sehr schwer, ein großes Becken mit einer
Zuckerlösung
über Monate und eventuell Jahre steril zu halten und vor der
Zerstörung
durch eine einsetzende Gärung zu bewahren. Geschieht dies, muss
man
die ganze Behandlung neu beginnen. Zweitens ist das Ergebnis einer
Zuckertränkung
nicht vorhersehbar. Manchmal ist die erreichte Stabilisierung gut,
manchmal
aber sehr schlecht. Oft verwerfen sich die getränkten Hölzer
beim Trocknen. In umfangreichen Laborversuchen war kein Zusammenhang
zwischen
dem Erhaltungszustand des Holzes und dem Erfolg der Stabilisierung zu
erkennen.
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| Analytik
– Forschung
– Service – Lehre
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Analytik
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| Ein maßgeschneidertes Konservierungsprogramm können wir erst entwickeln, wenn wir Art und Erhaltungszustand der zu behandelnden Hölzer genau kennen. Mikroskopisch-histologische Untersuchungen, holzchemische Analysen, physikalisch-technologische Festigkeitstests, Untersuchungen von Trocknungs- und Schwindungsverhalten gehören zu unseren Routinearbeiten. Den Fortgang von Tränkbehandlungen und den Zeitpunkt, sie zu beenden, beurteilen wir durch die Bestimmung der Menge des in das Holz eingedrungenen Stabilisierungsmittels und seiner Verteilung im Holz. Dazu analysieren wir dünne Bohrkerne, die wir in zeitlichen Abständen den Hölzern entnehmen. Aus Laborversuchen kennen wir die anzustrebenden Zielwerte für die jeweiligen Holzqualitäten. |
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Forschung |
| Die Konservierung von
großen archäologischen
Holzfunden ist teuer. Der Schwerpunkt unserer Forschung ist heute daher
die Entwicklung billigerer Methoden. Ein Weg dazu sind Verfahren, die von vornherein nicht auf bestmögliche Stabilisierung zielen. Wir versuchen, solche sub-optimalen Verfahren zu entwerfen, deren Ergebnisse aber vorhersagbar sind. Damit hätte man die Möglichkeit, für weniger Geld eine nur mäßige Stabilisierung sicher zu planen. Es gibt immer wieder Funde, für deren bestmögliche Konservierung Archäologen das notwendige Geld nicht beschaffen können oder wollen: Bohlenwege, Bauhölzer, Brunnenschächte, Einbäume. Eine billige Konservierung mit kalkulierbarem Ergebnis wäre oft besser, als die Funde verkommen zu lassen. Ein
anderer Weg, die preisgünstigste Konservierungsmethode zu finden,
ist der Vergleich der Leistungsfähigkeit gängiger
Stabilisierungsmethoden
für große Hölzer in verschiedenen Abbauzuständen.
In mittelfristigen Forschungsprogrammen verfolgen wir beide Wege. |
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Service |
Unser Service für andere
Institutionen
umfasst sowohl das Entwerfen von Konservierungsprogrammen für
bestimmte
Funde einschließlich der nötigen Analytik als auch die
begleitende
Überwachung von Tränkungen und die forschende Klärung
neuer
Fragen. Zur Zeit entwickeln wir eine optimale Stabilisierungsbehandlung
für fossile Baumstämme
– sie sind ca. 18 Millionen Jahre alt – aus einer Tongrube in
Kärnten:
Das geologische Museum Joanneum in Graz möchte einige Stämme
retten und ausstellen. Auf Anfragen hin haben wir
Stabilisierungsverfahren
entwickelt für aus Moos geflochtenes Tauwerk, für nasses und
trockenes verkohltes Holz, für Holzfunde, die nur auf einem
Erdsockel
geborgen und konserviert werden konnten, und für meterlange
Tiefsee-Sedimentkerne,
die Ablagerungen aus hunderttausend Jahren enthalten. Die Servicetätigkeit ist ein Weg, unser Wissen und unsere Erfahrungen im Umfang mit nassem Holz weiterzugeben. Ein anderer Weg sind Vorträge und Lehrtätigkeit. |
| Lehre
Vorlesungen und Seminare im In- und Ausland zu halten, ist die intensivste und wirkungsvollste Art, unser über die Jahrzehnte gewachsenes Wissen zur Konservierung großer Nassholzobjekte an Kollegen und Studenten zu vermitteln. Seit vielen Jahren ist die Lehrtätigkeit eine der festen Aufgaben des Leiters des Nassholzlabors. |
| Literaturhinweis
Die Arbeit des Nassholzlabors und die Konservierung der Bremer Kogge sind ausführlich beschrieben in: Gabriele Hoffmann und Uwe Schnall (Hrsg.) Die Kogge Sternstunde der deutschen Schiffsarchäologie Schriften des Deutschen Schiffahrtsmuseums, Band 60 Hamburg 2003 Hier finden Sie auch eine Liste der aus unserer Arbeit resultierenden wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Bildnachweis
Redaktion
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